Erschienen am Samstag 26.07.2008 in der Westerwälder Zeitung.

Mit Nadeln im Einsatz

Tierheilpraktikerin behandelt Patienten alternativ

Ob Retterspitz bei Juckreiz, Schüsslersalze bei Gelenkproblemen oder Laser gegen Herpes – viele Menschen suchen Alternativen zur Schulmedizin. Immer öfter auch für ihre Tiere. GODDERT. „Zaubern können auch Naturheilkundler nicht“, stellt Andrea Dietz aus Goddert klar. Die 41-jährige gebürtige Dortmunderin hat vor zwei Jahren ihre Prüfung zur Tierheilpraktikerin abgelegt und behandelt seit etwa einem Jahr Hunde, Katzen und Pferde im Westerwald. Bei vielen ihrer Patienten handelt es sich um austherapierte Tiere, denen der Tierarzt nicht mehr helfen kann. Heilen kann auch Andrea Dietz nicht immer, sie versucht dann aber, dem Vierbeiner ein Stück Lebensqualität zurückzugeben, was auch dem Tierhalter zugute kommt.

So freut sich Erika Hartman aus Goddert sichtlich, dass es ihrer 13-jährigen Chihuahua-Hündin Mini nach einem Jahr Behandlung bei Andrea Dietz sichtlich besser geht. Mini leidet an heißen Tagen und hat Husten, verursacht durch ein Herzleiden. Die Tierheilpraktikerin behandelt Mini mit einem Bioresonanzgerät, dessen Frequenzen sie auf die Leiden der Hündin abstimmt – auch unter Berücksichtigung der körperlichen Erscheinung und des Charakters. Die Schwingungen des Bioresonanzgerätes sollen die Selbstheilungskräfte anregen und die Disharmonien im Körper auflösen. Ein homöopathisches Mittel mit Digitalis (Fingerhut) wird in das Gerät gegeben, um die Wirkung zu verstärken. Medikamente darf die Tierheilpraktikerin nicht ausgeben, nur aufschreiben. Der Tierbesitzer kann sie sich dann in der Apotheke holen. „Überhaupt bedeutet es für den Tierhalter mehr Arbeit, wenn er sich für einen Tierheilpraktiker statt für einen Tierarzt entscheidet“, erklärt Andrea Dietz. „Bei mir müssen die Leute Geduld haben und mitarbeiten, etwa Veränderungen protokollieren, Medikamente geben, Massagen machen.“

Viele Krankheiten gingen auf die falsche Ernährung zurück, ein Futterwechsel sei dann unumgänglich. „Aber gerade davon sind die Leute schwer zu überzeugen.“ Das richtige Futter kann auch Nebeneffekte haben: Andrea Dietz behandelte vor Kurzem eine weiße Schäferhündin wegen einer chronischen Ohrenentzündung, die diese schon seit mehr als fünf Jahren plagte. „Ich habe die Entgiftungsorgane unterstützt und die Ernährung umgestellt. Die Entzündung heilte ab – und das Fell wurde nach 4 Wochen weißer, auch das extreme Haaren ließ nach.“ Vor einer Blasenoperation konnte sie einen inzwischen zehn Monate alten Collie-Mix bewahren. Der litt seit dem Alter von acht Wochen an einer bakteriellen Blasenentzündung. Andrea Dietz stellte Medikamente zusammen, seit einem Monat hat der Hund eine gesunde Blase. Seine Gelenkprobleme im Wachstum geht sie mit Schüsslersalzen an.

Im Repertoire hat sie auch Bach-Blüten und Akupunktur – für Katzen kommen die Nadeln allerdings nicht infrage. Ella, eine 18-jährige Haflingerstute mit Arthrose, lässt die Akupunktur dagegen stoisch über sich ergehen. Doch bevor Andrea Dietz sechs 50 Millimeter lange Nadeln in ausgewählte Punkte für Knochen, Leber und Niere einsticht, klärt sie mit der Besitzerin Doris Wallauer aus Herschbach bei Selters die Vorgeschichte. Mit dem sogenannten Erstgespräch versucht sie, den Ursachen für eine Erkrankung auf die Spur zu kommen. Das kann schon mal eineinhalb bis drei Stunden dauern. „Ich sehe das Tier im Vergleich zum Besitzer ja nur als Momentaufnahme. Daher brauche ich die Angaben des Halters. Das kann schwierig sein, denn schon ein Ehepaar bewertet die Situation oft unterschiedlich.“ Das Gespräch mit Doris Wallauer in Ellas Stall in Michelbach bei Altenkirchen führt schneller zum Ziel. Bald ist klar, dass Ellas Krankengeschichte mit Rehe, Kolik und Bandwürmern meistens mit ihrer Ernährung zusammenhingen. Andrea Dietz empfiehlt ihrer Kundin unter anderem, nach einer Wurmkur Fermentgetreide zu füttern, um die Darmflora wieder aufzubauen und damit das Immunsystem zu stärken.

„Ich wollte einfach mal eine Tierheilpraktikerin ausprobieren“, erklärt Doris Wallauer. „Ganz ehrlich: Ob ich nun einen Tierarzt bezahle, der wieder sagt, dass er nichts mehr tun kann, oder jemand hinzuziehe, der dafür sorgt, dass Ella noch möglichst lange Spaß am Leben hat – dann ist das doch besser.“ Und Andrea Dietz gibt nicht auf. „Es gibt so viele Möglichkeiten, von denen ich noch nichts weiß. Dazu lernen, Zusammenhänge erkennen und andere Wege gehen, macht mir Spaß.“ Die gelernte Versicherungskauffrau und Absolventin einer privaten Tierheilpraktikerschule in Münster wünscht sich die staatliche Anerkennung ihres Berufs und träumt von einem regionalen Netzwerk von Tierärzten, Tierheilpraktikern und Hundetrainern. „Davon hätten die Tiere den größten Nutzen, und das wollen wir doch alle.“

Der Artikel wurde geschrieben von Petra Kilburg
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